“ergebnisoffen” – die entschiedene Unentschiedenheit

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Seit 2006 im Duden zu finden, möchte dieses Wort zum Ausdruck bringen, „nicht von vornherein auf ein bestimmtes zu erzielendes Ergebnis festgelegt“ zu sein.

Aus der Politik bekannt, verschleiert dieses – für mich – Unwort inzwischen auf schöne Art die entschiedene Unentschiedenheit zweier Parteien oder Interessensgruppen.

Jedoch trifft man sich inzwischen auch „ergebnisoffen“ zu Geschäftsterminen, um sein Angebot oder die unterschiedlichen Standpunkte zu vertreten und gemeinsam zu prüfen, in wie weit man aufeinander zugehen und gegebenenfalls Geschäfte machen, einen Konsens finden und damit ein gemeinsames Ergebnis erzielen möchte und kann.

Warum muss im Vorfeld überhaupt betont werden, dass ein mögliches Ergebnis noch nicht vorgegeben ist? Ist dies nicht selbstverständlich?

Würde man unvoreingenommen aufeinander zugehen, würde es den Widerspruch der zwei zusammengefügten Worte „Ergebnis“, sprich etwas ist schon festgelegt, und dem Wort „offen“, welches Ausdruck dafür ist, dass noch alles möglich ist, meiner Meinung nach nicht benötigen.

In der Politik mag dieses Wort unverzichtbar sein. Ist man sich hier häufig völlig uneinig, muss jedoch aus verschiedenen Gründen mit seinem Gegenüber das Gespräch suchen, wenngleich der Standpunkt und damit das Ergebnis im Vorfeld schon – ob nun auf persönlicher oder parteilicher Ebene – unumstößlich festgelegt und damit nicht offen ist.

Aber im Geschäftsleben? Wer kann es sich leisten, zu lamentieren, stur zu sein, Zeit zu verbrennen und am Ende kein Ergebnis vorweisen zu können oder zu wollen?! Wer sich einig ist – zumindest darüber, dass eine gemeinsame Lösung gefunden werden kann -, benötigt „ergebnisoffen“ und die mit diesem Wort inzwischen verbundene Verschleierung nicht. Entweder ich möchte eine Lösung finden und beharre damit nicht zu starr auf meinen Standpunkt, sondern ziele den Kompromiss an oder ich möchte mich nicht annähern und brauche somit auch kein Gespräch!

Für mich ein klares Fazit: Wer zu einem „ergebnisoffenen“ Gespräch einlädt, sollte sich die eigentliche Bedeutung des Wortes in Erinnerung rufen und kann in Folge meist auf dessen Verwendung verzichten – oder sich das Gespräch von vornherein sparen.

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